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Ich sage nur, Banjo, Kontrabass, Geige, Akustik Gitarre, Mandoline und
Lap-Steel Guitar, mit Herren an denselbigen, die ausgesprochen professionell
mit diesen vollakustischen Instrumenten umzugehen wissen und sich darüber
hinaus noch erstklassig im Background Gesang hervorheben. Dann sage ich
noch Schlagzeug und ein herausragender Sänger mit einer nahezu charmanten
Gastgeberqualität.
Die Tage vor dem Konzert hatte ich mich schon ordentlich mit dem Album
"Dirty Dope Infected Bluegrass" einstimmen lassen, welches dann
zu meiner Freude, wie es mir schien, nahezu komplett gespielt wurde und
obendrein auch noch scheinbar der vollständige zweite Longplayer
"Lover of Your Dreams". Die Livepräsenz der BONEY GOOGLE
BROTHERS stellt das Studioerlebnis dabei noch weit in den Schatten. Die
Band ist komplett behutet (sic!), sprich, trägt entsprechende Kopfkleidung
(sic!), frönt aber außer dem Chef selbst und dem Schlagzeuger
eher dem längeren bis verdammt langen Haar. Besonders Mago Google
am Standbass würde an anderer Stelle als erstklassiger Paradehippie
durchgehen, was aber die Sache nur umso schöner macht. Schmalztollen
und immer die gleichen Punk'n'Roll-Klamotten kann jeder, macht auch jeder,
braucht also keiner. Das Band-Outfit erinnert vielmehr an altertümliche
Jahrmarktgaukler, außer dem Boss, der stilechte Garderobe trägt.
Soll er, denn Vorgesetzte sollten stets auch in der Wahl der Kleidung
stilprägend sein. Gute Vorgesetzte sollten weiterhin Humor haben
und Zeno beweist den ganzen Abend, dass er auf alle Fälle welchen
hat, wenngleich eine der lustigsten Anspielungen vom Publikum nicht wirklich
verstanden wurde. Die Geschichte vom alten Testament und jenem alten Gott,
den sich Zeno wieder zurückwünschen würde, welcher zu den
Menschen spricht, mit oder durch einen brennenden Busch. (Leser, die ebenso
auf dem Schlauch sitzen, wie 99% des Publikums, sollten meine deutsche
Schreibweise in die englische übersetzen.) Oder wenn Zeno von seinem
Vater erzählte, der Schauspieler war und er sich deshalb immer dessen
Naturfilme ansehen musste. Wenn der darauffolgende Text mit den Worten,
"My daddy he´s a pornostar, I´ve seen all his movies
so far" beginnt, musste zumindest ich herzlich lachen. Wer den gesamten
Text des Stückes kennt, welches "Family Man" heißt
und sich auf oben erwähnter Platte findet, wird ebenfalls einen guten
Einblick in den Humor von Zeno Tornado kriegen. Ein weiterer textlicher
Schwerpunkt liegt im Konsum zumindest hierzulande nicht wirklich erlaubter
Stimulanzen unterschiedlichster Art, derer man sich aber vor dem Konzert
denke ich, eher enthaltsam gegenüber verhalten hatte. Sonst wäre
die bunte "Mischung verschiedenster Weltmusik" weit weniger
perfekt rübergekommen. In Zenos Gesangspausen zeigten sich die drei
BONEY GOOGLE BROTHERS ebenfalls als Virtuosen im Irish Folk, während
sie an anderer Stelle, glücklicherweise perfekt abgemischt, was nicht
immer eine Selbstverständlichkeit in der hiesigen Lokalität
ist, sich durch die ganze Bandbreite von Hobo bis Hillbilly zupfen und
streichen. Was also bislang kaum jemandem bewusst zu sein schien und was
sich vor allem noch nicht bis Nashville Tennesee rumgesprochen hat, dass
Countrymusic und vor allem Bluegrass seine eigentlichen Wurzeln in der
Schweiz haben! Aber nun muss noch eine Lanze für das Publikum gebrochen
werden. Es war nämlich bis auf die Tatsache, dass es vielleicht nicht
immer genau zuhörte, ebenfalls hervorragend. Wir haben uns alle die
Seele aus dem Leib geschrieen und wurden dafür mit einer wirklich
ausgiebigen Anzahl an Zugaben zufriedengestellt. Erneut gilt es also,
sich vor dem Mentor ungehobener Schätze zu verneigen. Die Rede ist
hier vom Beat-Man, auf dessen Label Voodoo Rhythm Zeno Tornado und seine
Jungs veröffentlicht haben. Freunde, die ihr meine Zeilen lest, hört
neben Punk auch hin und wieder Bluegrass, es werden sich ganz neue (bessere)
Welten auftun. Claus Wittwer
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